Beim dritten PM Camp Berlin geht es um Komplexität – um Komplexität in Projekten natürlich, aber auch darüber hinaus. Genauer gesagt lautet unser Motto dieses Jahr: „Komplexität – reduzieren oder erhöhen?“ Aber auch das ist noch reichlich abstrakt. Lasst es uns konkretisieren: Was also bedeutet Komplexität für Dich persönlich? Wir freuen uns auf spannende Beiträge – macht mit bei unserer Blogparade!

Bisherige Beiträge zur Blogparade

Peter war mit seinem Beitrag schneller als wir mit unserem Aufruf zur Blogparade:

PROJEKTE SIND SOZIOTECHNISCHE SYSTEME UND ERFORDERN QUANTITATIVE METHODEN – Peter Addor

Alle weiteren Beiträge werden in der Reihenfolge ihres Erscheinens hier aufgelistet (die neuesten Beiträge werden jeweils unten angefügt):

Komplexitäten entstehen aus Einfachheiten und sind aber trotzdem schwer zu handhaben, weshalb folgende Denk- und Handlungsschemata relevant werden – Conny Dethloff

Lässt sich Komplexität verstärken oder reduzieren? – Michael Frahm

Über Raumschiffe und mehr Mut zur Lücke – Dr. Eberhard Huber

Die ach so böse Komplexität – Dr. Marcus Raitner

THE GREATEST FIGHT IN PROJECT HISTORY (english article) – Prof. Dr. Frank Habermann

Denken an Komplexität bedeutet Wohlbefinden – Bernd Schulte Osthoff

Leben und Überleben im Komplexitätszeitalter – Stephan Roth

Die subjektive Komplexität – Michael Schenkel [microTOOL]

Komplexität im Projektmanagement – Sabrina Lange

Komplexität – alles „nur“ individuelle Wahrnehmung – Guido Bosbach

Komplexität ist nicht steuerbar – Beobachter des Zufalls sind die besten Projektmanager – Gunnar Sohn

Komplexität & Katzenfutter / Complexity & Cat Food (english version) – Roland Dürre

Es lebe die Komplexität – in und um Projekte – Thomas Michl

Das Pendel meines Vaters – Michael Cramer (Gastbeitrag)

Fußnote zur Komplexität – Christian und Daniel [Visual Braindump]

Das Komplexitätsdilemma von Projekten – Bernhard Schloss

Gestatten, Idepap! Über Komplexität. – Holger Zimmermann

Komplexität gibt es nicht – Holger Priske

Gestatten, Idepap! Über Komplexität. (Teil 2) – Holger Zimmermann

Falsche „Bedienung“ der Komplexität – Stephanie Borgert [ProjektMagazin]

Zwar wurde der folgende Beitrag schon vor unserer Blogparade veröffentlicht, doch wir möchten ihn Euch nicht vorenthalten:

Wie man in einem Wertstrom mit Komplexität umgeht – Mark Poppenborg

Du möchtest auch mitmachen? So läuft’s!

Jeder kann mitmachen. Wenn Du einen eigenen Blog hast: Veröffentliche einen Artikel mit Bezug auf diese Blogparade „Komplexität – in Projekten und darüber hinaus …“ und verlinke auf diesen Artikel. Gerne kannst Du uns auch eine kurze E-Mail mit Link auf Deinen Artikel schicken, damit nichts verloren geht. Übrigens: Es muss nicht immer nur Schwarz auf Weiß sein: Podcasts oder Videos sind natürlich ebenfalls möglich! Wenn Du keinen eigenen Kanal hast, dann schicke uns Deine Gedanken (gerne mit ein paar Angaben und Links zu Dir, gerne mit einem oder mehreren Fotos, …) einfach per E-Mail mit dem Betreff „Blogparade – Gastartikel“ und wir werden uns mit Dir in Verbindung setzen.

Wir freuen uns auf spannende Beiträge!

Bitte weitersagen!

Es wäre toll, wenn Ihr unsere Blogparade – und natürlich auch die einzelnen Beiträge – mit Euren Netzwerken teilt: via Twitter, Facebook, Google+, XING, LinkedIn  usw. usf. Gerne dürft Ihr dazu auch unseren Hashtag #pmcampber verwenden.

Anregungen

Falls Euch gerade noch nichts einfallen sollte, könnt Ihr Euch gerne an den folgenden Fragestellungen orientieren – müsst Ihr aber nicht:

  • Was verstehst Du unter Komplexität? Was ist für Dich der Unterschied zu Kompliziertheit? Kann etwas komplex und kompliziert zugleich sein oder schließt sich das aus?
  • Was bedeutet Komplexität für Dich, ganz persönlich? Blühst Du in komplexen Situationen auf oder droht Dich Komplexität zu erdrücken? Sehnst Du Dich manchmal nach Einfachheit?
  • Welche Rolle spielt Komplexität in Deinem Job, in Deinen Projekten, in Deinem Alltag?
  • Wie gehst Du selbst mit Komplexität um? Was sind Deine Lösungsansätze?
  • Meinen wir das ernst, wenn wir fragen „Komplexität – reduzieren oder erhöhen“? Warum sollte man Komplexität denn überhaupt erhöhen?
  • Kennst Du gute Bücher, Artikel, Interviews, Podcasts oder Videos zum Thema Komplexität, die Du mit uns teilen möchtest?

Wie alles begann – mein eigener initialer Beitrag:

heiko bartlog

 

 

 

Wie ich der Komplexität beinahe auf den Leim gegangen wäre

Eine Anekdote – von Heiko Bartlog

Letzte Woche kam mir unter der Dusche (wirklich wahr!) eine tolle Idee!

Als „Gastgeber für Innovation“ lege ich großen Wert auf maßgeschneiderte Workshops. In das Workshop-Design fließen die Antworten auf Fragen ein wie „Wofür soll der Workshop dienen?“, „Was ist das Ziel des Workshops?“, „Wer nimmt am Workshop teil?“ und natürlich auch „Wie viel Zeit haben wir für den Workshop?“. Das Ergebnis ist dann eine Art Dramaturgie bzw. Drehbuch für den Ablauf des Workshops, eine aufeinander abgestimmte Abfolge von speziellen Methoden und Techniken.

Ich nutze dazu dann meist ein Excel-Template (alternativ auch Google Spreadsheet), gebe den Startzeitpunkt des Workshops sowie die geschätzte Dauer jeder Sequenz ein. Das Spreadsheet berechnet dann die jeweiligen Zeitpunkte für Start und Ende jeder Sequenz bis hin zum geplanten Ende des Workshops.

Natürlich läuft ein Workshop selten wie geplant – schließlich sind Menschen daran beteiligt. Manche Methode dauert länger, andere Übungen gehen schneller als gedacht. Oft trage ich die tatsächlichen Dauern im Spreadsheet nach und schaue dann direkt, wie viel ich an anderer Stelle beschleunigen muss oder ob ich mir Zeit lassen kann. In den Pausen justiere ich dann manchmal sogar die restlichen Abschnitte des Workshops komplett neu, auf Basis des bisherigen Verlaufs.

Das funktioniert gar nicht schlecht.

Und doch denke ich mir manchmal, dass das doch ganz schön chaotisch sei und ob ich das nicht „professioneller“ lösen könnte.

Dann kam mir die Idee: Vielleicht kann ich mir eine App programmieren lassen, die mir nicht nur automatisch die aktuelle und die laufende Sequenz mit Hinweisen anzeigt und die Zeit stoppt, sondern zudem auch laufend den Workshop-Ablauf optimiert. Beispielsweise könnte mir ein kluger Algorithmus bei Verzögerungen im Ablauf die nachfolgenden Sequenzen automatisch stauchen, ggf. Sequenzen komplett streichen oder den Endtermin verschieben. Die dazu notwendigen Parameter (Must- versus Nice to have-Übungen bzw. Prioritäten, notwendige Abfolgen, minimale bis maximale Dauern, Multiplikatoren je nach Teilnehmeranzahl, Pufferzeiten, Flexibilität beim Endtermin etc. pp.) könnte ich im Vorfeld einpflegen. Somit könnte mir der programmierte Algorithmus die ad hoc-Arbeit abnehmen und während des Workshop-Verlaufes kontinuierlich den weiteren Ablauf anpassen bzw. optimieren.

Tolle Idee, oder? Oder vielleicht doch nicht?

Ich würde immer mehr Aufwand in die Optimierung des Algorithmus investieren, immer mehr Parameter hinzufügen – doch würde ich den Ergebnissen des Algorithmus jemals (ver-) trauen? Würde ich nicht oft intuitiv zu einer anderen Lösung kommen als es der nach bestem Wissen und Gewissen programmierte und parametrisierte Algorithmus mir vorschlägt? Und sicher würde in vielen Workshops eine Situation auftreten, auf die der Algorithmus gar nicht vorbereitet ist. Also würde ich doch wieder improvisieren müssen – allerdings würde die manuelle Anpassung in einer solchen App immer schwieriger werden, je komplizierter der Algorithmus wird.

Ich hatte also eine komplizierte Lösung (Algorithmus mit vielen Parametern und Wenn-dann-sonst-Regeln) für eine komplexe Situation (viele Menschen nehmen gemeinsam an einem Workshop teil) erdacht.

Ich hatte auch nicht bedacht, dass ich während des Workshops laufend dazu lerne, was meine Entscheidungsgrundlage ständig verändert – die Parameter des Algorithmus dagegen bleiben auf dem Stand der Planung.

So oder so ähnlich habe ich es schon oft erlebt: Man wünscht sich einfache Hilfestellungen für komplexe Situationen, versucht dies allerdings zumeist mithilfe komplizierter Lösungen/ Werkzeuge und erzeugt damit nur eine Scheingenauigkeit. Welcher Ressourcenmanager wünscht sich nicht den „Magic Button“, der alle vorhandenen Ressourcen optimal auf die laufenden Projekte verteilt? Aber wer ist dann mit dem Ergebnis eines solchen Algorithmus wirklich zufrieden? Wer traut den Ergebnissen? Oder ein anderer Fall: Wie oft werden die Parameter einer scheinbar objektiven Nutzwertanalyse so lange verändert, bis das Ergebnis endlich dem subjektiven Bauchgefühl entspricht? Man investiert viel Zeit und Geld in komplizierte Lösungen, denen man dann noch nicht vertraut, sodass man weiteren Aufwand für manuelle Anpassungen investiert.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe meine Idee schnell wieder verworfen – komplexe Situationen brauchen keine komplizierten sondern möglichst einfache Lösungsansätze! Oder ebenso komplexe!

Ich bleibe also bei meinem Spreadsheet für das Durchdenken des Workshops, für Planung und Design. Im Workshop reagiere ich dann ad hoc nach Intuition und Erfahrung. Oder noch besser: Ich nutze die Komplexität des vorhandenen Systems und binde die Teilnehmer aktiv in die Anpassung des laufenden Workshops mit ein.

Mit dieser persönlichen Anekdote rufen wir auf zur Blogparade. Wir freuen uns auf Eure persönlichen Anekdoten, über Praxisbeispiele, über wissenschaftliche Erkenntnisse, über Meinungen von Experten und Querdenkern, über Fragen von Neugierigen. Macht mit!

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