Auch in diesem Jahr stellen wir Euch unsere ImpulsgeberInnen vor. Neu ist diesmal, dass wir zweiteilige Interviews geführt haben. Den ersten Teil lest Ihr hier im Blog, den zweiten Teil hört Ihr im Management-Radio.

Heute stellen wir Euch Conny Dethloff, unseren Impulsgeber am Freitag und BI Division Manager bei der OTTO GmbH & Co. KG, vor.

Wir haben dieses Jahr ein dreiteiliges Motto beim 6. PM Camp Berlin – Welche drei Worte stellen Dich denn am besten vor und warum?

Drei Worte… Mensch. Warum Mensch? Weil ich grundsätzlich immer gerne habe, dass man mich als den Menschen Conny Dethloff wahrnimmt und wenn man mich einbindet in irgendwelche Themen, Diskussionen, was auch immer, dann immer, weil man glaubt, dass der Mensch Conny einen Wert beitragen kann. Ich möchte mich ungern hinter Rollen oder irgendetwas anderem verstecken. Ich bin weder Führungskraft noch irgendetwas anderes, sondern ich bin Conny. Punkt eins.

Punkt zwei ist Zugewandtheit. Finde ich immer ganz cool. In vielen Diskussionen merke ich, auch hier bei OTTO, dass wir den Zugang zu uns und zu anderen irgendwie verloren haben und dadurch Probleme einfach nicht lösen können. Und ich glaube ganz fest, dass das wichtig ist. Und nach solchen Menschen suche ich auch, die den Zugang zu sich noch nicht verloren haben, die quasi sich immer noch erfühlen, erspüren können, die ganz genau wissen, was sie selber ausmacht, was sie mögen und was sie nicht mögen und das auch anderen Menschen zugestehen und vor allem auch mit anderen Menschen genauso umgehen.

Das dritte Thema ist für mich Komplexität. Ein sehr spannendes Thema, das mich seit Jahren beschäftigt. Und es kursieren auch immer ganz viele Diskussionen um Komplexität, und ich bemühe mich – auch in vielen Beiträgen, die ich schon geschrieben habe – ein bisschen dieses Thema zu entmystifizieren, so dass es handlungsleitend wird, so dass man damit auch richtig was anfangen kann.

Bei uns geht es ja dieses Jahr um Transformation, Innovation und Partizipation. Was verbindest Du persönlich mit diesen Themen?

Grundsätzlich etwas ganz Normales. Wenn ich mich im privaten Umfeld umschaue, wenn ich meine Familie mir angucke, Bekannte, Freunde mir angucke, dann gehen wir mit diesen Themen sehr leicht um, also sehr mühelos. Es fällt uns total einfach – und auch teilweise einfacher als im Business-Kontext – uns zu ändern. Privat, da können wir alles. Und im Business-Kontext eben nicht. Dort fangen wir an, diese Themen zu verakademisieren. Wir schreiben dann große Aufsätze, und da merke ich immer, dass wir den Zugang zu solchen Sachen verloren haben. Wir sind da nicht mehr Mensch, sondern wir sind irgendwie eine bestimmte Rolle, die man irgendwann mal zugeteilt hat, und dann verlassen wir uns. Und dann wird es schwierig, dann wird es anstrengend – das merkt auch jeder – dann wird es irgendwie nicht mehr so leicht… Ich versuche immer irgendwie den Zugang dazu hinzukriegen, ich versuche über einfache Worte, die ich dann finde oder versuche zu finden, zu sagen, dass es eigentlich etwas ganz Normales ist. Dass es etwas mit Lebendigkeit zu tun hat, die wir ja haben wollen. Und das versuche ich in den Business-Kontext immer zu adaptieren.

Das ist die perfekte Überleitung: Du bist seit 2012 bei der OTTO Group und begleitest dort eben auch die agile Transformation. Was fasziniert Dich daran am meisten?

Es fasziniert mich daran am meisten, die Menschen zu sehen, wenn sie das Gefühl haben, ihre Skills, Kompetenzen, Erfahrungen, Wissen, Nichtwissen – also alles, was sie mitbringen als Mensch – im Sinne eines gemeinsamen Ganzen einzusetzen. Wenn man das mal erlebt hat, wie Menschen dann reagieren, das treibt mir immer wieder neu Freudentränen in die Augen. Und das ist das, was mich antreibt. Von Menschen zu hören: „Conny, endlich, nach x Jahren, wo ich im Business bin oder im Beruf bin, ich hab jetzt eine Umgebung vor mir, wo ich mich voll einbringen kann.“ Und das ist total geil, das treibt mich an.

Was war für Dich dabei die härteste Nuss und was die größte Überraschung?

Also die härteste Nuss grundsätzlich ist, dass wir, glaube ich, und da hole ich mal ein bisschen aus, wir werden ja in unserer Gesellschaft in einer gewissen Art und Weise sozialisiert. Das merke ich jetzt bei meinen Kids, die sind zwar schon ein bisschen älter als erste Klasse, aber als sie in die erste Klasse gekommen sind, wurden sie auf eine gewisse Art und Weise sozialisiert – auf Expertentum, auf Regelbefolger. Und ich glaub ganz fest daran, und das wird ja auch immer wieder propagiert, dass wir eigentlich dann eine gute Arbeitsumgebung schaffen, wenn jeder Mensch sich auch einbringen kann qua seiner Skills und Kompetenzen. Und da brechen wir so ein bisschen mit unserer Sozialisierung, und da muss man dann Menschen irgendwann nach x Jahren sagen, dass sie eigentlich bestenfalls anders handeln sollten, als sie es ab der ersten Klasse in der Schule gelernt haben. Und das ist die härteste Nuss. Da wird man angeguckt, als wenn man die Gravitation negiert, als wenn man sagt „gibt’s nicht“, und das ist schwierig. Da Zugang zu finden zu solchen Menschen, nicht als dieser komische Typ abgestempelt zu werden, sondern dass sie irgendwann mal anfangen zuzuhören und sich darauf einlassen, das ist echt die härteste Nuss.

Und was hat mich am meisten überrascht? Also überrascht werde ich immer dann – mittlerweile habe ich nach der langen Zeit damit leben gelernt und das auch ausgehalten, dass das immer ein extrem steiniger Weg ist – wenn dann mal ein kleiner Erfolg gefeiert wird, dass Menschen anders denken. Das kommt meistens überraschend, denn in komplexen Umfeldern kannst Du das nicht vorhersehen, das sind so Sachen, die überraschen mich total. Wenn auf einmal ein Mensch so scheinbar von einem auf den anderen Tag anders redet, weil er anders denkt, das sind immer wieder Überraschungsmomente, die mich am Leben halten.

Du bist im Impulsgeber dieses Jahr – natürlich für den Teil Transformation. Worauf können sich die TeilgeberInnen besonders freuen?

Also ich glaube, sie können sich ganz besonders darauf freuen: Zum einen, wir haben ja vor mittlerweile fünf Jahren bei OTTO begonnen uns neu zu strukturieren, und sie können sich auf Fehler freuen, die wir gemacht haben. Weil ich glaube ganz fest daran, dass man von Fehlern anderer mehr lernt als von den Erfolgen, die gemacht wurden. Weil Fehler drücken aus, was ist etwas, das sollte man vielleicht nicht machen, was sind Muster, die vielleicht in einem menschlichen Miteinander nicht passen. Ich glaube, Erfolge sind immer sehr spezifisch und sehr kontextabhängig in einem Unternehmen. Also diese Fehler, die wir gemacht haben, werde ich mit Praxisbeispielen unterlegen, da werde ich also sehr praxisnah sein.

Und diesen zweiten Punkt möchte ich bringen: Ich werde dort Denkmodelle anreichen – und zwar genau zwei – die uns geholfen haben, ein neues Organisationspattern für uns zu bauen. Und das sind Denkmodelle, die man in der Regel so nicht so häufig findet. Also unter dem Kontext „Skalierung von Agilität“ findet man solche Denkrahmen oder solche Frameworks wie LeSS oder SaFE oder was auch immer, die haben wir uns auch angeguckt, die waren für uns aber nicht würdig, adaptiert zu werden. Also haben wir uns zwei andere Denkrahmen genommen, und zwar das Viable System Model und die Theory of Constraints. Und diese beiden Denkrahmen haben wir für uns umgesetzt, adaptiert. Und wie wir das gemacht haben, das erzähle ich im Vortrag.

Teil 2 des Interviews mit Conny hört Ihr hier.