Heute stellen wir Euch Heino Trusheim, Stand up Comedian und Gründer des Comedylabel „I Love Stand Up“, vor. Wir freuen uns schon sehr auf seinen Auftritt beim 7. PM Camp Berlin.

Heino TrusheimFangen wir doch mal mit einer Vorstellung von dir an: Welche drei Wörter beschreiben dich am ehesten und warum?

Heino: Sex, Drugs, Rock’n’Roll. Nur ohne Sex, wenig Drugs und kein Rock’n’Roll. Dafür Humor, Energie und Ideen. Mein Kopf ist immer voller Ideen. Bilder, Geschäftsideen, Gags, Projekte. Und wenn ich es dann schaffe, eine Idee in die Realität umzusetzen und sie funktioniert, setzt das totale Energien bei mir frei. Oft treten bei der Umsetzung natürlich Hindernisse und Pannen ein, da ist Humor oft ein gutes Tool, um die Motivation und Energie zum Weitermachen zurückzuholen.

Das passt für mich gut zu unserem diesjährigen Motto „Mensch. Macht. Magie“. Woran denkst du bei diesem Motto und was verbindest du persönlich damit?

Heino: Ich denke sofort an Zauberer. Auf der AIDA habe ich mir viele angeguckt. Jedes Mal saß ich vor der Bühne und dachte: die Kugel unter dem Tuch fliegt wirklich. Apropos Zauberer, einer der Chefkochs der AIDA stand mal an der Tür zum Restaurant vor der Schlange und meinte zu mir: „Guck mal, ich kann auch zaubern. Jetzt Buffet da, gleich Tür auf: Buffet weg.“ Und er hatte Recht.

Und bezogen auf deine Arbeit: Welche Rolle spielen die Menschen? Was bedeutet Macht? Und braucht es z.B. Magie, um die regelmäßigen Open MIC Hamburg und Krefeld zu veranstalten?

Heino: Als Stand Up Comedians brauchen wir die Menschen als Zuschauer. Der Gag ist erst lebendig, wenn gelacht wird. Vorher ist er nur eine Idee. Macht wiederum ist ein riskantes Feld. Es gibt Comedians, die oktroyieren ihren Humor dem Publikum auf. Ich sehe einen Comedy-Auftritt eher wie einen Tango-Tanz: ich führe das Publikum, aber das Publikum beeinflusst die Moves. Manchmal ist es auch eher Polonaise mit Holzschuhen. Ich bin da variabel. Aber wenn es groovt, der Comedian im Rhythmus mit dem Publikum ist, dann entstehen durchaus magische Momente…

Magie für unsere Veranstaltungen wäre natürlich schön: einmal Simsalabim und die Show ist in allen Veranstaltungskalendern, die Bühne aufgebaut, die Tickets gedruckt und der Laden voll. Dem ist nicht so. Unser Zauberspruch lautet: „Machen!“

Da greife ich gleich mal deinen Zauberspruch auf: Du machst auch Rhetorik Camps, damit Menschen zum Beispiel witziger werden. Schaffst du das mit Magie?

Heino: Ja, genauso ist es. Reine Magie. Die Leute kommen, wir bewerfen sie mit Feenstaub und Krötenaugen und danach wachsen ihnen Clownsnasen. Wenn das allerdings nicht klappt, nehmen wir doch eine Flip Chart, einen Beamer und einen Trainer. Nebenbei: im Rhetorik-Camp geht es nicht in erster Linie darum witziger zu werden (das vermitteln wir in der Comedy-Class), sondern um komplette Kommunikationstrainings: wie rede ich vor, mit und gegen Leute.

Das bringt mich gleich zur nächsten Fragen: Ich fand es spannend zu lesen, dass du von falschen Entscheidungen wie z.B. dem Rhetorikseminar für Vermögensberater sprichst und auch dein Lehramtsstudium abgebrochen hast. Dabei hebst du den Lernprozess hervor. Was könnten Menschen von einem Projektabbruch lernen? Steckt vielleicht Macht in Fehlschlägen und Irrtümern?

Heino: Ich habe sehr viele Dinge abgebrochen; ich habe mehr abgebrochen, als ich angefangen habe. Der große Vorteil vom Abbrechen oder Scheitern ist, dass du genau, weißt: so wie du es versucht hast, funktioniert es nicht. Da können dir später Berater mit Gant-Charts, Whiteboards und Harvard-Studien kommen, du weißt: nein, ich habe es ausprobiert, so geht es nicht. Außerdem habe ich als leidenschaftlicher Scheiterer viel Verständnis für alle anderen „Gescheiterten“. Ich gehe an jedem Obdachlosen vorbei und denke. Das könnte auch ich sein. Nur mein „Bitte Spenden“-Pappschild wäre witziger.

Stell dir einmal vor, in einem Gespräch äußert dein Gegenüber, dass die Projektmanagerin/ der Projektmanager in einer Organisation zur Ohnmacht verdammt ist und für Veränderungen auf die Magie hofft. Was würdest du daraufhin sagen?

Heino: Ich würde sagen: das ist eine schöne Idee. Aber Magie entsteht, zaubern musst du selbst. Also übe, wer ein Meister werden will. Abrakadabra …

Worauf dürfen sich denn die Teilgeber*innen am Freitagabend mit dir freuen?

Heino: Ich werde eine humorvolle Zusammenfassung der Workshops und Aktionen im Camp vortragen. Es wird witzig, unterhaltend, interessant und motivierend. Ich arbeite auf den Tango hin, nicht auf die Polonaise.

Und zu guter Letzt: Formuliere doch bitte einen Satz rund um Magie.

Heino: Das Leben ist voller Magie, man braucht nur den richtigen Zauberstab.

Zu Heino Trusheim

Heino Trusheim brach 1994 sein Lehramtsstudium in Hamburg ab, um Künstler zu werden. Er nahm Schauspielunterricht, Gesangsstunden und Sprecherziehung und hatte 2002 in Hamburg seinen ersten Auftritt als Stand-up-Comedian. Es folgten Fernsehauftritte bei TV Total, Nightwash, Quatsch Comedy Club, usw. 2012 gründete er das Unternehmen I Love Stand Up und entwickelte über die Nachwuchsarbeit mit jungen Comedians ein Coachingprogramm für Rhetorik im Beruf- und Privatleben.

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