„He, Du!“ – „Wer, ich?“ – „Psssst!“ – „Wer, ich?“ – „Genaaaaau … Hallo, wie wär’s mit einem magischen Spruch?“. Erinnerst Du Dich an Ernie aus der Sesamstraße? Was hätte er wohl Schlemihl geantwortet? Und überhaupt, wie wäre es einen magischen Spruch zu kennen, der das laufende Projekt erfolgreich zum Abschluss bringt oder der die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen mit Wertschätzung ummantelt und das Böse von einem selber fernhält? Eine Zauberformel die Glück, Liebe, Erfolg und Wohlstand mit sich bringt. Gibt’s das? Psssst, lies weiter, ich verrate es dir noch. Den Weg bei der Suche soll Dir ein Limerick weisen, denn:

Die magische Lesereise,
beginnt auf ganz besond`re Weise,
streift Bedeutungen bunt,
im historisch-kulturellen Verbund
um staunend zu lüften die Herangehensweise.

Mit einer kreativen Denkrunde zum Wort Magie starten wir diese Lesereise. Mit Magie werden die magischen Rituale wie beispielsweise das Kartenlegen oder das Pendeln, Zauberbeschwörungen und die Verwendung von Amuletten oder Vodoopuppen assoziiert. Als Fachexperten können Dich bei diesem magischen Erlebnis der Magier, der Zauberer, die Hexe oder die Geisterbeschwörerin begleiten. Ein Streifzug durch die Geschichte macht deutlich, wie lange Menschen und Magie schon miteinander verbunden sind. Bereits vor Christus Zeiten gab es in den mesopotamischen, sumerischen und altägyptischen Hochkulturen den Magier. Das Wort lässt sich herleiten von magos und bezeichnete einen persischen Priester und Traumdeuter. Im Wandel der Zeit hat sich ebenfalls die Bedeutung der Magie verändert. So war in der Antike die Magie allgegenwärtig und beruhte auf der Vorstellung, dass die Erde ein lebender Organismus und durch eine kosmische Kraft erfüllt ist. Die Weltanschauung der indigenen Völker Amerikas ging davon aus, dass Wesen, Dinge und Phänomene durch einen magischen Zusammenhang miteinander verbunden sind, die nicht durch die Ratio erklärbar sind. In dieser Vorstellung ist jede/r einzelne ein Teil eines „Großen Ganzen“. Der Glaube an die Magie beziehungsweise das vermeintliche Praktizieren von Zauberei führte dann in der frühen Neuzeit zu den Hexenverfolgungen. Heute begegnet uns die Magie im Kontext von Esoterik, den oben erwähnten Praktiken wie Pendeln oder Tarot, bei Zauberslams sowie im Alltag mit seinen bekannten Aussagen wie „dreimal auf Holz klopfen“ oder z.B. das Vermeiden der Zahl 13 in Gebäuden. Selbst in der Religion verbirgt sich Magie, denn wie sonst lässt sich das Abendmahl in der Kirche erklären und die damit verbundene Wandlung von Brot/Oblate und Wein in das Fleisch und Blut Jesus Christus. Diese Wesensverwandlung wird nicht Verwandlungszauber sondern fachmännisch Transsubstantiation genannt.

MagieFür unsere Suche nach dem magischen Spruch halten wir vorerst fest: Mit Magie wurde und wird oft etwas Übernatürliches in Verbindung gebracht. Sie ist die magische Kraft, die das Unmögliche versinnbildlicht und auch zum Möglichen machen kann. Wie das Unmögliche zum Möglichen wird, zeigt sich bei einem Blick auf das Genre Science-Fiction. Ein paar Beispiele aus dieser Ecke: Der Kommunikator aus Star Trek diente als Anregung für das Mobiltelefon. Isaac Asimovs Calculator-Pad führte zum Tablet und die Vorstellung des bargeldlosen Bezahlens von Edward Belamy wurde durch die Kreditkarte verwirklicht. Die Science-Fiction Literatur spielt mit dem Gedanken des Unvorstellbaren und entwirft Vorstellungen, sei es von autonomen Fahrzeugen oder von smart textiles. Es ist auch hier das Träumen, das phantasievolle Kombinieren von Bekanntem mit dem Unbekannten, die Einbildungskraft, die in die Geschichten und Bilder einfließt und zu den zukünftigen (technologischen) Entwicklungen führen kann. In der Vorgeschichte gab es dafür den persischen Priester, der die Träume deutete. Somit wird „Ich habe einen Traum“ eine Zukunftsvision meiner Selbst oder der Gesellschaft, die mich antreiben kann, meine damit verbundenen Wünsche und Ideen wahr werden zu lassen, oder wie Goethe einst sagte „Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.“. Ist dies etwa der magische Spruch?

Nein, eher ein Zitat. Doch spinnen wir diesen Gedanken einmal weiter: meine Vorstellungskraft kann mich zu Handlungen motivieren und meinen Handlungsspielraum erweitern. Durch das Ausmalen der Vorstellungen kann die Kraft für Veränderungen aktiviert werden und das Erreichen des Gewünschten kann einen zuweilen selbst erstaunen. Das Staunen ist dabei eine Eigenschaft, die mit den magischen Momenten verwoben ist. Bereits als Kind habe ich über die Künste von Zauberern gestaunt und noch heute können mich Zaubertricks überraschen, da ich mit dem Ergebnis nicht gerechnet habe, und ich das Vorgehen nicht greifen kann. Ganz so wie meine kleine Tochter über die Stimme der Oma am Telefon staunt, die ohne physische Anwesenheit mit ihr spricht. In ihrer Welt gibt es noch keine rationale Erklärung dafür, vielmehr ein Staunen über das Phänomen und die Fragen, warum die Oma, die von ihr gezeigten Sachen durch das Telefon nicht sieht und ob sie im Telefon steckt.

Wie bei ihr so auch bei mir sind es die Fragen „Wie“ so etwas möglich ist. Zur Frage nach dem „Wie“ gesellen sich weitere Fragen nach dem „Wieso“, “Weshalb“ und „Warum“. Mit Fragen blicken wir hinter das Offensichtliche, wechseln die Perspektive und stellen Gegebenes auch in Frage. Zum Fragen stellen fordert der Titelsong der Sesamstraße seit über vierzig Jahren auf. Ein „Was wäre, wenn…“ kann jeden von uns zu Ideenausbrüchen inspirieren, um Dinge wie in der Science-Fiction Literatur weiterzuspinnen oder sie wie zum Beispiel in der Bionik neu zusammen zu setzen. Das zweite Clarkesche Gesetz des Schriftstellers und Physiker Sir Arthur C. Clarke betont daher: „Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist, ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustoßen.“

Das Staunen, die Neugier, die Vorstellungskraft, das Träumen sind Inspirationsquellen und Motivatoren für Veränderungen. Mit jeder Idee, die sich bei dir und mit dir entfalten kann, veränderst Du Welten. Du schaffst einen (Frei-)Raum, um das Unmögliche zu denken und um das Mögliche zu erkunden. Und bittest Du andere um Unterstützung, hast Du unbegrenzte Mittel dafür. Dieser Moment, in dem Du die Kraft spürst für die Möglichkeiten, kann sich magisch anfühlen. Es ist die Freude an der Idee, das Leuchten in den Augen, die innere Aufgeregtheit, ein Kribbeln oder Hibbeln, das auch für andere spürbar sein kann und sie entfacht z.B. das gemeinsame Projekt mit Leidenschaft zu verwirklichen. Mit einem Potpourri an Wirkungen wie beispielsweise das persönliche Glücksempfinden oder die Stärkung der Zusammenarbeit bis hin zum gesellschaftlichen Wohlstand. Zusammengefasst in einem Wort: Entwicklung! Somit ist alles umfasst, was zuvor die Ausgangslage dieser Suche bildete.

Um nun zum Ende hin „staunend zu lüften die Herangehensweise“ dieser magischen Lesereise möchte ich vorab von dir wissen: „Wie sieht dein Traum aus?“ Und was passiert, wenn Du deinen Traum oder deine Idee verfolgst?

Brauchst Du trotz allem dafür den magischen Spruch? Ich will Dich nicht weiter plagen und werde dir jetzt meine magische Formel verraten: Nimm deine Vorstellung mal deinem Willen und ziehe den Zweifel ab, dann hast Du die Magie, die Du für dein Vorgehen brauchst. Zu guter Letzt sprich nun laut diesen Zauberspruch aus:

Abrakadabra, sah nah rar,
mach nun sichtbar,
was unleugbar.
Enthülle auf vier,
die Magierin/ den Magier in mir.
1,2,3,4.

Und mehr brauchst Du nicht, denn als Magier*in trägst Du die Zauberkraft immer in dir.

 

Quellen:

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 2. Teil, 1811-1812. 9. Buch
https://de.wikipedia.org/wiki/Clarkesche_Gesetze

 

Zu Sonja Tangermann

Sonja Tangermann engagiert sich als Teamleiterin bei einer bundesweiten Stiftung für die frühe Bildung im MINT Bereich mit dem Ziel die Selbstwirksamkeit der Beteiligten zu stärken und sie zum nachhaltigen Handeln anzuregen. Bei ihren Schwerpunkten im Produkt- und Projektmanagement, der Erwachsenenbildung sowie dem Servicebereich, sind für sie der Austausch und die Zusammenarbeit mit Menschen der zentrale Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Seit 2019 arbeitet sie nebenberuflich noch als Coach und Mediatorin, um Organisationen und Einzelpersonen auf dem Weg zur eigenen Handlungsfähigkeit zu begleiten und unterstützt ehrenamtlich die Initiative Mutland.