Achtung, Achtung! Hier geht’s zum Lesestoff, bitte achtsam den Aneinanderreihungen der Buchstaben folgen. Es geht nämlich um die Zukunft oder sind es Zukünfte? Egal, denn,

„Irgendwie fängt irgendwann
Irgendwo die Zukunft an
Ich warte nicht mehr lang.“

sang Nena bereits in den 80er Jahren. Also nichts wie los, machen wir uns ganz ohne Feuerräder auf in Richtung Zukunft. Dabei finden wir vielleicht heraus, was eine Beschäftigung mit der Zukunft überhaupt bringt.

Vorab ein Blick auf das Wort an sich: Zu Kunft. Das zu richtet sich auf ein bestimmtes Ziel hinaus und die Kunft unterstreicht das dortige [An]Kommen. Subjektiv betrachtet ist es letztlich eine Zeit, die auf die Gegenwart folgt. Die Zukunft erahnen, sie wahrsagen, imaginieren oder pragmatisch extrapolieren zu können, bietet seit jeher eine Hilfestellung für die Identifikation (der eigenen) Handlungsoptionen. So beschäftigt sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit den Innovationen für die Arbeit von morgen, die Bertelsmann Stiftung informiert auf ihren Seiten zur Zukunft der Arbeit, das Zukunftsinstitut publiziert zu gesamtgesellschaftlichen Trends und auf Zukunftskonferenzen oder dem Festival der Utopie wird sich gedanklich mit dem Morgen auseinandergesetzt, wofür dann vielleicht eines Tages der Deutsche Zukunftspreis verliehen wird. Für die Schulpflichtigen setzen sich die Schulen der Zukunft mit einer zukünftigen Bildung auseinander und können vielleicht auf die Erkenntnisse der erziehungswissenschaftlichen Zukunftsforschung am Institut Futur sowie dem learning framework der OECD aufbauen, um dann zukünftig in Unternehmen das Zukunftsmanagement voranzutreiben. Das Wort Zukunft schmückt nicht nur Institute oder Websites, es glänzt ebenso auf zahlreichen Buch-, Film-, Musiktiteln, medialen Angeboten wie Podcasts, Vlogs sowie weiteren Materialien oder ziert wie hier das Motto des PM Camps Berlin. Kleine Kostprobe gefällig: Arbeitsplatz der Zukunft, Future Mindset, Nächste Ausfahrt Zukunft, Zurück in die Zukunft, Grüße aus der Zukunft usw.

Weiter geht’s: In Berlin setzt sich das Futurium mit den Zukünften auseinander und bietet Bildungsmaterialien in Form von Zukunftsboxen an. Und Hand auf’s Herz, hast du als Kind nicht auch von der Zukunft geträumt, dir deine Zukunft mit oder ohne Partner*in(en) ausgemalt, den neuen Job oder vielleicht sogar ein Ehegelöbnis abgegeben, dass auf einem „immer“ währendem Versprechen beruht? Bei einigen Entscheidungen standest du vielleicht wie die Band Fettes Brot vor der Frage „Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?“.

Im antiken Griechenland hätte dir Pyhtia im Orakel von Delphi weitergeholfen. Mit Hilfe ihrer erteilten und durch Priester interpretierten Weissagungen sollte die Zukunft greifbarer werden oder sich im wortwörtlichen Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung erst bewahrheiten wie der Mythos um Ödipus eindrucksvoll verdeutlicht. Ob die Pythia damals aufgrund austretender Gase halluzinierte oder nicht, ist nicht entscheidend. Heutzutage rauchen nur Köpfe bei der Anwendung der Delphi Methode, um die Gedanken und Ideen von Expert*innen zur Zukunft in der strukturierten Gruppenbefragung zu verdichten und gemeinschaftlich zu aggregieren.

Auch mit Hilfe von Prophezeiungen wie die des Nostradamus oder der Weissagung der Cree, wurden Prognose für zukünftige Ereignisse abgegeben. Die Aussagen über die Zukunft unterliegen dabei einem Interpretationsspielraum und werden letztlich durch die lesende Person selber gedeutet und bewertet. In Form von Horoskopen und Glückskeksen kommt uns die Zukunft beiläufig und alltagsnah daher.

A plan is beginning ...

Foto. Eleana Koycheva

Mit der Allgegenwärtigkeit von Zukunft soll bereits in der Gegenwart die Zukunftsfähigkeit von Morgen berücksichtigt werden. Schnell noch die Zukunftskompetenzen stärken, denn „Et kütt wie et kütt“. Das rheinische Gebot spielt mit dem Annehmen der Gegebenheiten und der Akzeptanz für das Zukünftige. Wie ich mich verhalte, liegt in meiner eigenen Entscheidung. Ich kann mir vorstellen „wat kütt“ oder mich schicksalsergeben dem unbeachteten Lauf der Zeit hingeben. Es ist das Spannungsverhältnis zwischen die „Zukunft kommt über uns“ oder des proaktiven Gestaltens der gewollten Zukunft. Mit dem Blick auf das Mögliche und die gewollte Zukunft des „wat kütt“, kann ich diese mitgestalten. Und in der Tradition der Existenzialisten liegt in jedem von uns die Freiheit der Wahl und der Gestaltungsmöglichkeiten. Begleitet von dem Bewusstsein, dass die Zukunft weiterhin ungewiss, multiple und dynamisch sein wird, wie uns der Wetterbericht tagtäglich zeigt.

Achtung, Achtung!

Genau: Achtung vor der Zukunft impliziert, dass die Richtung und das Tempo von einigen vorhersehbaren Entwicklungen erkannt werden wie beispielsweise in Bezug auf das Aussterben von Tierarten oder den Klimanotstand. Es sind Menschen, die aus Wertschätzung (= Achtung) vor der Natur, aktiv werden und das gegenwärtige Handeln für eine erstrebenswerte Zukunft verändern möchten. Der Erfinder der Zukunftswerkstätten, Robert Jungk, bringt diesen Aspekt wie folgt auf den Punkt: „Die Zukunft ist keine sauber von der jeweiligen Gegenwart abgelöste Utopie: die Zukunft hat schon begonnen.[1]

Die Zukunft startet im Jetzt und bedient sich aus der Vergangenheit und der Gegenwart oder gemäß einer philosophischen Betrachtung dem früher und später. Nutzen wir unsere Kreativität, die heutzutage als Zukunftskompetenz postuliert wird und überlegen einmal kritisch: „Was wäre, wenn die Menschen nicht zuvor schon kreativ gewesen wären?“.

Die „Was wäre, wenn …“ Frage kann wie ein Sprungbrett in die Zukunft fungieren, denn durch sie werden Handlungsoptionen in Form von Miniszenarien entworfen. Im Hypothetischen liegt zudem eine Kraft, da die Zwänge und Grenzen des Bestehenden ausgehebelt werden. Die Kreativität enthält ihren Raum, um Zukünfte utopisch, dystopisch oder pragmatisch zu kreieren. Zudem können zugespitzt Gedankenkonstrukte und Herausforderungen aus allen Perspektiven beleuchtet werden. Denn was wäre, wie Alan Weisman spekuliert, „Die Welt ohne uns“ oder die brand eins der Frage nachgeht „… es keine Schwarzarbeit gäbe.“ oder ich dich frage „Was wäre, wenn du am PM Camp Berlin teilnimmst?“.

In Innovationsworkshops hilft die Frage zum Beispiel beim Herauskristallisieren von Ideen für zukünftige Produkte, Services- und Dienstleistungen und wird umso spannender, wenn mit kontrastreichen Gegenentwürfen gearbeitet wird. So könntest du im Workshop zur Zukunft der Bildung gefragt werden, was wäre, wenn Kinder selbst am Wochenende gerne in die Schule gehen würden?

Alternativ kann die „Was wäre, wenn …“ Frage auch als Gegeben angenommen werden und von diesem Ausgangspunkt überlegt werden, wie die Schritte dahin aussehen könnten.

Um die Zukunftskompetenz Kreativität noch weiter zu stärken, kann mit den Methoden „Collaborative Sketching“ oder „Zeitungsartikel aus der Zukunft“ der idealisierte Zustand lebendig formuliert oder skizziert werden und als Reiseroute genutzt werden. Ein analoges Vorgehen für die persönliche Entwicklung kann der Brief aus der Zukunft sein, indem du dir dein zukünftiges Ich und seine Entwicklung vorstellst und schriftlich festhältst. Denn wie sagte Goethe einst: „Wir blicken so gern in die Zukunft, weil wir das Ungefähre, was sich in ihr hin und her bewegt, durch stille Wünsche so gern zu unsern Gunsten heranleiten möchten.[2]

Die Einsatzorte dieser Methoden können variieren, sei es im Unternehmen im Rahmen eines Innovationsworkshops, der Austausch über deinen Brief aus der Zukunft in deinem WOL Circle oder in einer Coachingsession oder angelehnt an Nena „irgendwo“. Letztlich geht es um das Entwerfen und Antizipieren von Zukünften und ihrem Bündel an Möglichkeiten, um gestalterisch darauf hinzuwirken – heute schon. Die, zuweilen auch aus Vorstellungsgesprächen, bekannten Fragen „Was für ein Mensch werde ich in zehn Jahren sein?“ oder „Wie wird mein Leben in 10 Jahren aussehen?“ zielen auf nichts anderes ab. Zehn Jahre fühlen sich für mich wahrscheinlich wie zwei Wochen für ein Kleinkind an, daher passe ich den Zeitrahmen für mich an. Wie sieht es in 5 Jahren aus, dann in drei, in einem Jahr und wo stehe ich mit meiner Vorstellung in drei Monaten. Das Reinzoomen reduziert die Komplexität und eröffnet den Gestaltungsraum für den ersten Schritt – Jetzt. Pragmatisch und handlungsfähig besingt daher Anna in der Eiskönigin 2 ihr Vorgehen und spricht sich selber für das Zukünftige Mut zu:

Ich denk’ nicht so weit voraus
Denn dafür fehlt mir die Kraft
Ich atme ein und geh’ voran
Nur ein Stück, nicht zu weit
Das Stück hab’ ich geschafft!

Wie auch immer dein persönliches Bild oder deine Bilder der Zukunft aussehen, mit diesen Bildern im Gepäck bist du ein/e Zukunftsgestalter*in und kannst dein Handeln danach ausrichten.

Ich mach mich jetzt auf und mach den nächsten Schritt.

Zurück in die Zukunft

Foto: Joel Muniz

 

Hinweise:

[1] http://www.zwnetz.de/Jungk/
[2] https://www.aphorismen.de/zitat/849

Dieser Artikel erscheint im Zuge unserer Blogparade Achtung. Zukunft.