Stefan Truthän wird beim 9. PM Camp Berlin einen Impuls geben. Ein Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH: 

Fangen wir doch mal mit einer Vorstellung von dir an: Welche drei Wörter beschreiben dich am ehesten und warum?

Stefan: Energiegeladen. Euphorisch. Visionär. Ich bin leicht zu entzünden und brenne für viele Themen.

Bei uns lautet das Motto in diesem Jahr „No Motto.“. Woran denkst du bei diesem Motto und was verbindest du persönlich damit?

Stefan: Viele Menschen haben Angst vor dem Unbekannten, das vor ihnen liegt. Ich habe dafür eine große Taschenlampe – die leuchtet den vor mir liegenden Weg aus. Dadurch bleibe ich automatisch in Bewegung, denn das Licht der Taschenlampe beschreibt meine Richtung. Ein Stillstand ist keine Option.

Bezogen auf deine Arbeit: Welche Rolle spielt das Themenfeld „Achtung.Zukunft“ in eurem Alltag? Wie drückt es sich in eurem Handeln aus?

Stefan: Ich begreife meine Rolle als Chief Organizational Architect nicht im Steuern und Führen des aktuellen Tagesgeschäfts, sondern im Erkunden und Entdecken der Grenzen der Organisation. Ich bin wie ein Cowboy beim Erobern des Wilden Westens. Das heißt: Es ist quasi meine Mission, mutig und neugierig genug zu sein, um permanent in die Zukunft zu reisen und mir dort Inspirationen für unsere Herausforderungen zu holen und in die Gegenwart zu transferieren. Vorauszudenken.

Bei euch im Unternehmen setzt ihr auf themenorientierte Führung anstelle von klassischen Hierarchien. Worauf achtet ihr dabei?

Stefan: Ich möchte etwas zurückfragen: Was haben denn Führungskraft und Führungsstil mit themenorientierter Führung zu tun? Bei uns ist der Führungsstil eher auf Vorbildfunktion und weniger auf Führung angelegt. Themenorientierte Führung heißt, dass engagierte Kolleginnen und Kollegen Verantwortung übernehmen. Damit sind sie dann ja, laut Definition, eine Führungskraft.

Ich habe im Netz diese Aussage von dir entdeckt: Bei uns geht Wollen vor Können – ohne Sollen und Müssen. Wie kann ich mir das bei euch im Unternehmen vorstellen?

Stefan: Wir müssen mal mit einer urbanen Legende aufräumen: Was machst du mit Themen, die gemacht werden müssen und für die sich niemand freiwillig meldet? Zum einen gibt es immer Menschen, die sich für unternehmensnotwendige Themen interessieren und diese dann auch vorantreiben. Und wir alle leben natürlich die Idee der nachhaltigen Sicherheit in den Städten und Gemeinden. Das eint uns und unser Interesse. Und wir alle wollen für dieses Thema einstehen.

Wie würdest du die folgende Impulsfrage beantworten: „Sollen Roboter in der Zukunft sämtliche Arbeiten übernehmen?“. Und welche Bedeutung hätte das für das Projektmanagement?

Stefan: Ich möchte die Frage präzisieren: Sollen Roboter alle langweiligen, sich wiederholenden und stupiden Tätigkeiten übernehmen, um den Mitarbeiter von der Bürokratie zu entlasten? Antwort: JA! Wir müssen uns zum einen Gedanken machen, wie sich die Digitalisierungsmöglichkeiten und Fähigkeiten der menschlichen Akteure ergänzen. Und zum anderen müssen wir uns natürlich die Frage stellen, welches Know-how wir brauchen, um unsere Ziele im Sinne der nachhaltigen Sicherheit zu erreichen.

Dazu fällt mir die Aussage von Wolf Lotter ein: „Nicht zu viel künstliche Intelligenz bedroht uns, sondern zu wenig natürliche“. Welche Bedeutung hat das für das Lernen und das Gestalten von Zukünften aus deiner Sicht?

Stefan: Wir versuchen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit W-Fragen am Denken zu halten. Also: „Warum“ und „wieso“ sind kontinuierliche Wegbegleiter des Diskurses. Die Mitarbeiter zu befreien aus ihrer Arbeitsmühle – das muss unsere dauerhafte Motivation sein.

Am Freitagvormittag lädst du zu deinem Impulsvortrag ein. Worauf dürfen sich die Teilgeber*innen hier freuen?

Stefan: Da dieses Interview vor dem PM Camp stattfindet und ich es bevorzuge, frische und regionale Zutaten für meine Vorträge zu nutzen, wird euch ein Überraschungsmenü serviert.

Bei PM Camp steht das Von- und Miteinanderlernen im Vordergrund. Zu welchen Fragen möchtest du dich gerne mit den anderen Teilgebern austauschen?

Stefan: Momentan bin ich weniger auf der aktiven Suche nach Antworten auf meine Fragen, als selbst insgesamt achtsamer und gelassener zu sein. Nichtsdestotrotz bleibe ich neugierig auf alles, was auf mich zukommt. Ich freue mich auf spontanen Austausch und interessante Bekanntschaften.

Und wie würdest du diesen Satz vervollständigen? Ohne Motto ….

Stefan: … – bitte nicht künstlich erzwingen, sondern gelassen hineingleiten.

 

Zu Stefan Truthän

Stefan Truthän ist progressiver Motor und Visionär von hhpberlin. Seit 2008 verantwortet er die operative und strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. Als Chief Organisational Architect ist er bereits seit 2002 fester Bestandteil des Ingenieurbüros.

Mit seinen unkonventionellen Lösungen und großer Leidenschaft verhalf er hhpberlin zu rasantem Wachstum. Das Brandschutzunternehmen ist heute eins der erfolgreichsten in Europa. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der studierte Wirtschaftsinformatiker die unternehmensweite digitale Transformation und Prozessoptimierung beharrlich vorantreibt. Die fortschrittliche Infrastruktur der hhpberlin ist vor allem ihm zu verdanken.

Stefan Truthän ist u.a. im Beirat der INTERSCHUTZ in Hannover sowie im Konferenzbeirat der INTERSCHUTZ USA 2021. Für die deutsche INTERSCHUTZ 2022 verantwortet er maßgeblich die Konzeption der Halle 16 und organisiert die Sonderfläche „Digitalisierung & Transformation“. Begehbare Themeninseln und Exprimente navigieren die Besucher durch die Megatrends unserer Zeit. Im visionären Dialog und kreativer Zusammenarbeit möchten Stefan Truthän und sein Team entscheidende Impulse für die Zukunft der zivilen Sicherheit setzen. https://www.futura.town/

Vor seiner Tätigkeit bei hhpberlin leitete der gebürtige Thüringer seine eigene IT-Dienstleistungsgesellschaft netcon und sammelte anschließend als Business Consultant Erfahrung bei der Novedia AG, einem Spezialist für webbasierte Unternehmens-Prozessportale.

In seiner Freizeit engagiert sich Stefan Truthän als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Berlin.

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Stefan Truthän im Interview