Wir freuen uns sehr, Euch heute einen weiteren Ausblick auf das PM Camp Berlin geben zu können, konkret: auf den hochspannenden Impuls, mit dem uns Andreas Zeuch in den Sonntag starten lassen wird. Es wird um die Grenzen der Planung gehen, um Intuition und Entscheidungen unter Unsicherheit, um Schwarmintelligenz und Herdendummheit.

Doch lest selbst, was Andreas uns über abstürzende Raumschiffe und fallende Aktienkurse berichten kann und was wir daraus lernen können:

Vor knapp über fünf Jahren, Ende Februar 2009, war ich als Redner auf einer Unternehmerveranstaltung eingeladen. Dort hielt auch der ehemalige Astronaut Professor Dr. Ulrich Walter den Vortrag „Von der Vision zur Mission“ über den Space-Shuttle Flug, bei dem er mit dabei war. Er berichtete kurzweilig und zeigte unter anderem amüsante Bilder über die Parabelflüge zum Training der Schwerelosigkeit mit einer großen umgebauten Boeing, von den Astronauten-Anwärtern schelmisch „Kotzbomber“ genannt.

Die Zuhörer erfuhren auch, dass jede Mission wortwörtlich minutiös durchgeplant ist. Als Beleg zeigte Dr. Walter Auszüge der entsprechenden Handbücher. Im Verlauf seines Vortrags erklärte er: „Was ich Ihnen sagen will: Sie müssen jede Eventualität in Ihrem Unternehmen einplanen.

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Was mich ein wenig wunderte: Niemand hinterfragte diese offensichtlich absurde Forderung. Ich musste bei Walters Worten sofort an eine der NASA-Katastrophen denken: Fast ein Vierteljahrhundert vor Walters Vortrag, am 28. Januar 1986, startete die Raumfähre Challenger ins All. Nach nur 74 Sekunden explodierte die Trägerrakete in einer Höhe von 16 Kilometern. Alle minutiöse Planung der NASA konnte das Schicksal der Astronauten nicht retten. Offensichtlich waren nicht „alle Eventualitäten“ eingeplant.

Diese und eine weitere Tragödie bietet neben der klaren Absage an die Planungsillusion jedoch zwei weitreichende Lehren, sozusagen Glück im Unglück:

Kollektive Intelligenz

Wenige Minuten nach der Explosion der Challenger stürzten die Aktien des Herstellers Morton Thiokol ein, der die Feststoff-Trägerrakete für die Challenger herstellte. Zwar büßten auch andere Hersteller an Aktienwert ein, aber die Aktie von Morton Thiokol erholte sich nicht wie die der anderen Unternehmen. Zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht einmal einen ersten Verdacht in der Untersuchungskommission, warum genau es zu dem Vorfall kam. Erst sechs Monate später stellte sich heraus, dass es tatsächlich die Trägerraketen von Thiokol waren, die zum Absturz führten. Die vielen verschiedenen Marktteilnehmer hatten wesentlich schneller die wahren Zusammenhänge erkannt. Zufall? Könnte sein.

Ähnliches ging jedoch bei der Suche nach dem 1968 verschollenen amerikanischen U-Boot Scorpion vor. Das Boot konnte nicht gefunden werden – bis ein Offizier auf die Idee kam, eine heterogene Expertengruppe unabhängig voneinander Tipps abgeben zu lassen. Das Ergebnis: Die Scorpion wurde in einem Umkreis von 37 Kilometern auf 75 Meter genau geortet. Langsam wird der Zufallseinwand dürftig.

Intuition

Falls überhaupt, so wussten nur wenige der Marktteilnehmer respektive der Experten bei der Ortung der Scorpion bewusst, was Sache war. Wir müssen vielmehr davon ausgehen, das diese Personen auf unbewusster Ebene Informationen verarbeitet hatten, die sie zu ihren Entscheidungen brachten, die in den jeweiligen unabhängigen Gruppen zu den erstaunlichen Treffern führten. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich nehmen wir alle unbewusst wesentlich mehr Informationen wahr und können ebenso mehr und schneller Informationen unbewusst verarbeiten, als bewusst gesteuert.

Diese beiden Fälle verdeutlichen beispielhaft den Wert der Weisheit & Intuition der Vielen. Allerdings muss noch eine Einschränkung beachtet werden: Diese Mechanismen greifen nur, wenn einige notwendige Bedingungen erfüllt werden. Ansonsten ist es wahrscheinlicher, dass wir statt Schwarmintelligenz Herdendummheit erzeugen.

Mehr darüber in meinem Beitrag beim kommenden PM Camp in Berlin am 22. Juni 2014. Ich freu mich auf Euch!

Herzlich
Andreas Zeuch

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andreas-zeuch-profil

Dr. Andreas Zeuch ist Berater, Redner, Trainer, Autor und Unternehmer.

Er unterstützt Unternehmen, die Weisheit und Intuition der Vielen zu nutzen. Für Dienstleistungs-, Management- und Prozess-Innovationen. Gewünschter Nebeneffekt: Mehr Mitarbeitermotivation bei sinkenden Personalkosten.

Twitter: @zeuch
Homepage: http://www.a-zeuch.de/

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